Vinyl/CDReviews

WE FADE TO GREY / FLUTEN - split

allschools.de (8/10): Welch hübsche Idee. Das Berliner Label Miyagi Records veröffentlicht quasi zwei unabhängige Platten in Form eines Quasi-Splits. FLUTEN aus Hamburg sind da der erste Teil der 5 Tracks auf Platte bannt, WE FADE TO GREY aus Altötting hat 7 Tracks eingespielt und aufgenommen. All das in eine hübsch aufgemachte Digipack gesteckt, und fertig ist das Teil. Sieht schon mal hübsch aus und klingt hoffentlich genauso! FLUTEN, die sich erst 2007 gründeten, machen wie gesagt den Anfang. Ein wirrer unzugänglicher Mix aus wildem Hamburg-Screamo und überladenen Ideen erstreckt sich, und man muss sich erst einmal alle Eindrücke auf Seite legen und in Ruhe sortieren. Leicht ist der Mix sicherlich nicht, und trotz schnörkellos schlichter Instrumentierung schleicht sich die ein oder andere Überraschung ein. „Teilchenbeschleuniger“ ist sicherlich das Highlight der FLUTEN Seite, da es gekonnt mit elektronischen Überraschungen spielt, den Hörer so schnell in seinen Bann zieht. Mit „Reflections“ endet es eingängiger als gedacht, und WE FADE TO GREY können starten. Ihr Teil der Platte beginnt nicht minder unzugänglich, sondern überrascht gleich zu Anfang mit elektronischem Gefrickel und einer harmonisch anmutenden Gitarre. Man ist gespannt, was als nächstes kommt. Ob losgeschrieen wird? Ob eine zierliche Stimme leise Töne singt? Als der Gesang einsetzt, ist man noch immer nicht weiter. Mehrstimmiger Gesang, der ebenso aus der progressiven Indieecke kommen könnte und ein Refrain, der im Grunde keiner ist. Nach und nach lassen WE FADE TO GREY den Kontakt dann doch noch zu. Es wird etwas einfacher, der Musik zu lauschen. WE FADE TO GREY haben den Ideenkontest allerdings einwandfrei gewonnen, da es in nahezu jedem Song etwas zu entdecken gibt. Legt man sich also alle gesammelten Eindrücke auf Seite, hat sie sorgfältig sortiert und begriffen, was hier vor sich geht, so bekommt man eine wunderbare Split geboten, die einiges zu bieten hat. Leider ist der Weg bis dahin etwas steinig.

blueprint-fanzine.de (7/10) Einen kurzen Moment habe ich überlegt, ob ich diesen Text mit einem Zitat zu WE FADE TO GREY beginnen soll, dem VISAGE-Hit aus den Achtzigern, denen eine der hier zu besprechenden Bands ihren Namen zu verdanken scheint. Oder, und das ist, wofür ich mich entschieden habe, ich zitiere den Begrüßungsspruch der myspace-Präsenz von FLUTEN, der sinnigerweise lautet: „When I was your age, emo was called FUGAZI“. Denn der passt doch viel besser. Dann nämlich bekommen wir eine kleine Ahnung davon, was musikalisch auf uns zukommt und auch, was uns, Gott sei gepriesen, erspart bleibt. Was mir hier ins Haus gekommen ist, ist die vierte Veröffentlichung des noch jungen Hamburger Miyagi-Labels, eine sehr schön aufgemachte Split-EP zweier Bands auf zwei getrennten Tonträgern. Der erste ist mit fünf Songs der Band FLUTEN bespielt, von denen gleich der erste mit einem tighten Beat beginnt, gefolgt von einer kleinen Gitarrenfigur, über die sich bald schon ein Sprechgesang legt, bei dem ich unweigerlich jedes Mal an BLUMFELDs „Verstärker“ denken muss. Doch haben FLUTEN darüber hinaus wirklich nichts mir diesen gemein. Statt dessen bekommt man hier überwiegend hektischen Rock (maßgeblich beeinflusst von all dem, was man noch vor etwa 15 Jahren unter Hardcore verstand), zu hören, bei dem einen auch das Wort Math-Rock und ganz sicher auch der angesprochene Name FUGAZI hin und wieder in den Sinn kommt. Dabei bleibt der angesprochene Opener nicht das einzig gute, aber doch das stärkste Stück dieser EP, auch wenn nicht sämtliche der zahlreichen Songparts meinen Geschmack treffen. Was den Gesang betrifft, hätte man sich meiner Ansicht nach besser auf die Sprache Deutsch beschränkt, denn die so gesungenen Passagen sind hier in der Regel stimmiger und auch die Texte wirklich gelungen. Und auch, wenn ich mir bewusst bin, dass es als Stilmittel sicherlich hier und da seine Berechtigung hat, mag ich mich nur sehr ungern mit „Fuck you“ anbrüllen lassen. Musikalisch in eine sehr ähnliche Kerbe schlagen WE FADE TO GREY, deren Songs im direkten Vergleich etwas weniger konstruiert wirken, wenngleich auch bei dieser Band unbedingt Hyperaktivität diagnostiziert werden muss. Auch wenn sie in ihren Songauftakten immer wieder eine kleine Portion Pop-Appeal durchscheinen lassen. WE FADE TO GREY könnten mir auch richtig gut gefallen, wenn ich nicht solche Probleme mit dem, doch vorwiegend recht eintönigen, Gesang hätte. Der ist zwar genreintern sicherlich über jeden Zweifel erhaben, erinnert mich aber immer wieder daran, warum ich nicht viel mehr Bands aus dieser Richtung in meinem Schrank habe. Hier machen FLUTEN, ohne hier einen Wettbewerb ausrufen zu wollen, den es nicht gibt, durch ihre interessanten deutschsprachigen Passagen, einiges an Boden gut. Doch, wie es so schön heißt, dies alles ist Meckern auf einem hohen Niveau, denn auch wenn beide Bands nicht meinen favorisierten Musikgeschmack treffen, habe ich genügend Bands dieser Art gehört, um beiden hier vorliegenden eine hohe Qualität zu bescheinigen. Insgesamt eine sehr stimmige Veröffentlichung eines Labels, das so langsam aber sicher seine Richtung gefunden zu haben scheint, auch wenn Bands wie SPECTRUM LM, auch wenn total anders, gern weiterhin dazu gehören dürfen.

fuze #14, (Feb/Mar 09): Die CD ist am Ende, heißt es. Niedergemacht vom Internet, diesem Monster. FLUTEN aus Hamburg und WE FADE TO GREY aus Altötting oder Mühldorf, so genau will das gar niemand wissen, scheißen drauf, gönnen sich für ihre gemeinsame Veröffentlichung jeweils eine CD pro Band und verpacken beide großzügig in Karton. Wenn man das riesige Feld zwischen Hardcore und Indie-Rock und allem, was dazu gehört, so virtuos beackert, passen eben nicht mehr als zwanzig Minuten Musik auf einen einzigen Tonträger. Für manche Einfälle der beiden Bands ist selbst das Internet zu klein, dieser mickrige Wurm. (Miyagi/Flight13) Thomas Renz

hurricanebar.de (9/12): Das Miyagi-Records-Label verbuchte mit der gelungenen Veröffentlichung von Culm vor zwei Jahren eine Speicherung in den Gehirnzellen des Schreiberlings. Doch wie es so ist, manchmal verliert man sich aus den Augen. Umso mehr erfreute es, als die vorliegende Split von Fluten / We Fade To Grey im Briefkasten lag. Schon mit den ersten Tönen von Fluten war klar: es hat sich nichts geändert bei Miyagi. Und das ist gut so. Fluten und We Fade To Grey sind beide ähnlich gelagert. Leicht wütende aber auch vertrackte Gitarren und verzweifelter Gesang wobei auch schön mal ins Mikro geschrieen wird. Dabei darf der Stinkefinger gerne in die Luft gestreckt werden. Gemeinhin nennt man das wohl Post-Hardcore. Und da passen beide auch rein. Es ist die Jugend, in deren Hände auch die Zukunft Musik gelegt wird. Gut zu wissen, dass es auch in Deutschland Bands gibt, die um Trends einen großen Bogen machen. Ist der Weg zwischen Post-Hardcore und kommerziellem Emo/Screamo nicht weit, so sind Fluten und auch We Fade To Grey an der richtigen Stellen abgebogen. Vollziehen in diesem Momente kaum greifbare Tempowechsel. Wo andere den großen Pop mit singbaren Refrains einfließen lassen knallen beide eine Kehrtwende heraus. In diesen Momenten wirken sie unterkühlt, ungestüm und unbeugsam. So wie es sich für die Jugend gehört. Bitte jetzt nicht die Frage stellen, welche der beiden Bands denn nun die bessere ist. Sind wir einfach, dass es mit Fluten und We Fade To Grey zwei überaus ambitionierte Bands und eigenständige Bands weitab vom mainstream gibt. Wer früher solche Bands wie At The Drive-In gehört hat für den eigentlich ein Muss, diese Split. Einheitsbrei: Fuck You!

intro (Feb 09): Splitten, was das Zeug hält. Fluten aus Hamburg und We Fade To Grey aus der bayrischen Provinz machen auf ihrer Split-CD gemeinsame Sache – und liefern gleich zwei erstaunliche Debüts zum Preis von einem. Im deutschen Hardcore und Postpunk wird bekanntlich gerne gesplittet, was das Zeug hält – vorzugsweise Vinyl, in diesem Fall aber mal eine CD. Auch We Fade To Grey aus dem bayrischen Wallfahrtsort Altötting und Fluten aus, na klar, Hamburg teilen sich ein Format mit dem Ziel der Synergienbildung. Allerdings ist es hier im Grunde nur der schicke Pappschuber, den sich beide Bands für ihre jeweilige Erstveröffentlichung teilen. Darin stecken zwei CDs in EP-Länge. Und was für welche! Fluten (Ex-Kalkutta) mischen in ihrer Ansprache zunächst zweisprachigen Distelmeyer-Duktus mit treibend-kantigem Emocore aus den 90er-Jahren, der im Laufe der fünf Songs fragmentarisch um Shouting-Parts, weitere lyrische Blumfeld-Interludes und hymnische Postpunk-Elemente erweitert wird. Schon mal sehr gut. We Fade To Grey haben mit dem Schlager-Wave von den namensgebenden Visage zum Glück gar nichts am Hut, sondern arbeiten sich an vertracktem, D.C.-infiziertem Post-Hardcore ab, der einem brutal unter Wert geschlagene Bands zurück ins Gedächtnis ruft (North Of America, Monochrome) und von der adoleszenten Verzweiflung in der bayrischen Einöde gespeist ist. Schön jedenfalls, wie die Herren in einem Song nur zum Glockenspiel „They Carry Our Heads In Hands“ brüllen. So bleibt ein Split-Album mit viel Herzblut und ohne jeglichen Ausschuss, das auch dort gemocht werden müsste, wo die posthum verehrten Yage oder auch Trip Fontaine rotieren.

Bands teilen sich ja gerne mal ein Vinyl-Format. Warum eine Doppel-CD?
Christian (Fluten): Eine Split bietet unbekannten Bands die Chance, mehr Leute zu erreichen. Außerdem wollen wir über die Musik auch Leute kennenlernen. We Fade To Grey ging es genauso, das hat musikalisch und persönlich super gepasst. Obwohl einige von uns Vinylfetischisten sind, mussten wir uns aus finanziellen Gründen entscheiden: entweder ein schickes Artwork oder Vinyl. Ersteres war uns dann wichtiger.

Was ist die beste Split-CD ever?
Constantin (We Fade To Grey): Beste Split-CD ist die Split von Kids Explode/Shokei auf Altin Village, weil beide Bands die besten Typen sind und auch wirklich jeder Song ein Hit ist. Außerdem gefällt mir, dass beide Bands oft miteinander zu tun hatten und haben und die Split auch als Freundschaftsding erkennbar ist.
Christian: Die „Home EP“ von Ben Gibbard & Andrew Kenny.

(Christoph Dorner)

inyourface.de (5/10): Warum sollte man einzelne EPs auf den Markt bringen, wenn zwei Bands so gut zusammen passen wie FLUTEN und WE FADE TO GREY? Das dachte sich anscheinend auch das Berliner Label Miyagi Records und verpasste den beiden Bands eine gemeinsame Hülle in Form eines schicken Digi-Packs. Eröffnet wird die Split von den Hamburgern FLUTEN, und es ist auch relativ schnell klar, was einen hier erwartet. Posthardcore, gepaart mit einem ordentlichen Schuss Indie. Dabei scheinen sich FLUTEN nicht so recht für eine Sprache entscheiden zu können, und so findet man Textzeilen in Englisch, Deutsch und Französisch in ihren Songs. Wozu so was gut sein soll? Das wird wohl nur die Band selber beantworten können. Eins ist aber sicher: Der Eindruck der Überheblichkeit haftet solchen Bands wie das Kaugummi an der Schuhsohle an. Musikalisch geht das zwar vollkommen in Ordnung, hat man aber von anderen Bands auch schon sehr viel besser gehört. Den Songs haftet allen so etwas wie eine gewisse Einfallslosigkeit an. WE FADE TO GREY eröffnen ihr Set relativ gemächlich mit der akustischen Gitarre und sphärischem Gesang, und es dauert ein bisschen, bis der Dreier aus dem Quark kommt. Der Indie-Anteil ist definitiv ein ganzes Stück höher ausgefallen als bei den Hamburger Kollegen. Die Songstrukturen sind mitunter sehr vertrackt, was den Hörgenuss dieser Hälfte nicht gerade einfach gestaltet. Leider wirken die Songs mitunter auch nicht gerade "wie aus einem Guss", und deshalb gelingt auch WE FADE TO GREY hier kein wirklicher Treffer.
Diese Split ist natürlich alles andere, als ein Griff ins Klo, aber sie ist eben auch kein Highlight, was man unbedingt im Schrank stehen haben muss. Wir lassen uns einfach mal überraschen, was so von diesen beiden Bands in Zukunft noch kommt.

musicscan.de (6,5/10): Die Hamburger FLUTEN und WE FADE TO GREY aus dem bayerischen Mühldorf / Altötting teilen sich das schöne Digipack, das dieser Tage im Haus Miyagi Records erschienen ist. Von einem Doppelalbum zu reden, mag etwas übertrieben sein, aber es ist eine nette Idee, eine Doppel-EP zu veröffentlichen und somit den Fokus auf gleich zwei Bands lenken zu können. Den Anfang machen FLUTEN, die fünf Titel und gute 18 Minuten in gleich drei Sprachen beisteuern. Etwas mit Indierock entschärfter Post-Hardcore, der gerade in den englischsprachigen Passagen von zum Beispiel ‘Clear Cut’ auch gewisse Punkeinflüsse nicht leugnen kann. Nachdenklich, wütend und handwerklich einwandfrei wissen FLUTEN sich auf ihrem Teil der Doppel-EP zu behaupten. Zeit also, sich WE FADE TO GREY zu widmen. Diese schlagen in eine ähnliche Kerbe wie ihre Wegbegleiter und bereiten ihren eigenen Cocktail aus bereits beschrieben Zutaten. Soundtechnisch haben WE FADE TO GREY allerdings im wahrsten Sinne des Wortes mehr Raum und den Gain-Kanal scheinbar aus ihren Amps rausgebaut, so dass der Hall noch besser arbeiten kann. Die Berliner mögen es etwas sperriger und gestalten ihre Hälfte des Doppelschlags etwas farbenfroher als die erste, wenn auch ungleich sanfter. Am Ende der insgesamt 40 Minuten bleibt ein netter Ausblick auf das Können dieser beiden Bands, die Teil einer spannenden und sich entwickelnden Szene sind. (Dominik)

new-core.de (7,5/10): Das kleine Berliner/Hamburger Label Miyagi Records ist mir mit der tollen „Life in a steel cage is no life at all” LP von Culm noch in guter Erinnerung. Doch was reitet ein Label in unserer digitalen Zeit eine 2CD-Split raus zu bringen, wenn die Songs auch locker auf eine CD gepasst hätten? Noch dazu wieder in sehr schicker Aufmachung im Pappschuber. Meine Antwort lautet: Jede Menge Leidenschaft und Enthusiasmus für gute Musik weit abseits des kommerziellen Mainstreams. Musikalisch lassen sich beide Bands im Spannungsfeld zwischen Post-Hardcore und leicht vertracktem Indie verorten und bewegen sich erfreulicher Weise fernab von angesagten Emo/Screamo-Trends. Fluten, die sich erst 2007 gegründet haben, machen den Anfang und gefallen mir auf Anhieb. Dissonante Gitarren, eher versteckte Melodien, mal laut, mal leise, mehr schlicht als pompös, kleine elektronische Spielereien, intensiver „gesprochener“ Gesang, der ab und an auch in etwas Geschrei münden kann. Das Tempo ist bis auf die eingestreuten Eruptionen eher im mittleren bis unteren Bereich angesiedelt. Die Sprache wechselt innerhalb der Songs zwischen Deutsch, Englisch und auch mal Französisch. Erinnert mich an Ende der 90er und Bands wie Yage, At the drive-in oder auch Fugazi. Danach haben es die Oberbayern We fade to grey in der Hand zu zeigen, was in ihnen steckt. Los geht es erst mal ganz bedächtig, bevor man dann musikalisch einen ähnlichen Weg wie Fluten bestreitet, sich aber dennoch etwas anders anhört. Finde ich aber auch echt gut, was die auch erst seit 2006 existierende Truppe, die inzwischen zum Trio geschrumpft ist, hier abliefert. Also ein gerechtes Unentschieden am Ende der Split, wenn man so etwas denn als Wettbewerb sehen möchte. Sympathisches Label, sympathische Bands, gute Musik, schickes Artwork. Was will man mehr.

nillson.de: Das Berliner / Hamburger Label Miyagi hat eine Doppel-Split EP der Fluten und ...we fade to grey veröffentlicht (ja, die drei Punkte gehören eigentlich zum Bandnamen). Die Tatsache selbst ist natürlich noch nichts Spektakuläres, das daraus resultierende DigiPak in den Händen zu halten allerdings schon. Das ist nämlich über alle Maßen erhaben. Da es sich um deine Doppel-Split EP handelt, haben sowohl we fade to grey als auch Fluten ihre eigene CD erhalten - das erfreut, denn mit insgesamt 11 Tracks und ca. 40 Minuten Spielzeit hätte alles auch auf einer einzelnen CD Platz gefunden. Musikalisch passen die Bands gut zusammen. Die Fluten lassen es etwas härter angehen, we fade to grey nicht ganz so krachig - eine große Portion Indie ist beiden Bands gemein. Fluten Posthardcore, we fade to grey Postpunk.
Die Hamburger Fluten nannten sich noch bis August letzten Jahres Kalkutta, waren aber mit dem Bandnamen nicht wirklich glücklich. Daher ein Namenswechsel zu Fluten, der wohl auch wesentlich besser zur Musik passende Assoziationen auslöst (mitreißend und so ...) als der Name der indischen 5 Millionen Metropole. Beim ersten Hören fällt sofort auf, dass sprachlich alles offen ist. Der Opener "Open Circuit" fängt mit deutschem Text an, und endet im englischen Refrain auf "intensify". Deutsch-englische Texte stellen immer einen Drahtseilakt dar, Fluten meistern diesen aber mit Bravour. So gehört auch der Opener zu den großen Songs der Band, ist abwechslungsreich und macht Lust auf mehr. Begeistern kann vor allem noch "Clear Cut", welches inhaltlich voller Ablehnung ist, auch mal ein geschrienes "Fuck You" raushaut, den Hörer aber dennoch mit einem "every end is a start" zurücklässt. Was geschrieben nach Plattitüde klingt, transportiert im Song viel Emotion und geht steil nach vorne. Die fünf Songs der Fluten zeugen von Potenzial, einzig die Vocals hätten etwas großzügiger abgemischt sein können. Die Vorfreude auf ein komplettes eigenes Album der Band trübt dies jedoch nicht, ganz im Gegenteil.
Die EP der drei Jungs von we fade to grey beginnt mit "IMO vs. Mont Blanc" frickelig, elektronisch, um dann erst nach ca. 1 Minute loszurocken. Für alle Songs gilt: Es wechseln sich ruhiger gesungene Passagen mit Parts ab in denen eher rockig-rotzig der Text zum besten gegeben wird. Man ist wesentlich textlastiger als die Labelkollegen und bleibt dabei komplett in Englisch. Ihre Stärke haben we fade to grey eher in den ruhigeren Songs, wie "Lips seal Agreements", mit grandiosen Textzeilen wie "we are porcelain / take a brush and give us colour / don't try to wake us while we're asleep / every cup fits into another". Hervorzuheben ist hier sicherlich noch "Trains to Alaska", ein wirklich wunderschönes Instrumental, bei dem man sich für (leider nur) zwei Minuten den Songtitel vor seinem geistigen Auge ausmalen kann.
Textlich sind we fade to grey sehr ambitioniert, musikalisch könnten die 6 Songs noch etwas abwechslungsreicher sein, gewinnen aber mit jedem Hören etwas an Größe. Auch hier muss ein Album zeigen was in den Dreien steckt. "Trains to Alaska" zeugt allerdings schon jetzt von echter Größe. Fazit: Wer sich im Indie, Posthardcore und/oder Postpunk wohlfühlt, sollte sich mindestens einmal die myspace Hörproben zu Gemüte führen. Als Doppel-Split EP wird einem hier viel Abwechslung für wenig Geld geboten - und der Kauf der EP lohnt sich allein schon wegen des wunderschön gestalteten, wertigen Digipaks. Für schmale 10,- € ist man heutzutage weit weniger gewohnt.
Text: Arne Seemann

ox-fanzine (Feb/Mar09, 6/10): Auf Split CDs werden meist beide Bands in einer Wurst hintereinander gepresst und niemand - gerade bei stilistischen Überschneidungen - merkt, wann gewechselt wird. Hier kann das - trotz besagter Überschneidungen - nicht passieren, da jeder Band eine eigene kleine Scheibe zur Verfügung steht. Wäre das übrigens ein Live-Konzert, würden vorne auf der Bühne schwarz gekleidete junge Männer stehen, deren Gitarren zur Brust hochgeschnallt sind. Eben diese Gitarren kommen dann auch schön vertrackt daher. Emocore ist angesagt, Screamo fast. In beiden Fällen halten sich Melodie und Gebolze, Durchatmen und Losschreien die Waage, Hardcore-Wurzeln werden nicht verschwiegen. Bei FLUTEN dringt Punkrockrotz durch die engen Jeans, es darf auch ein bischen elektronisch gefrickelt werden. WE FADE TO GREY hingegen sind melodieverliebter und glänzen mit gekonnt untergerührtem Keyboardeinsatz. Dennoch keimt nach Genuss dieses sicherlich nicht schlechten Albums der Verdacht auf, all diese Songs eigentlich eh schon im Regal stehen zu haben. (H.C. Roth)

poisonfree.com: The nice folks at Myagi Records put a lot of heart into this dual-disc split release. Coming in quite a small pressing, you should be quick to get this beautifully designed digipack. But not only does this please the eye – both bands do a good job as well. Let us start with Fluten: Coming from Hamburg / Germany, which you may hear in their sound quite well, these guys present 5 tracks of driving, complex indie-rock with slight punkish influences here and there. Hectic, eclectic, emotional and melodic, dissonant and poppy, their sound is quite hard to grab. A certain complexity demands more than one run, but once done so, quite a nice record spreads out in front of you. “Teilchenbeschleuniger” may be there own little hit, with electronics and a nice chorus, while their final “reflections” is among the more easy and yet strong tracks. The solemn structure of that track is a nice goodbye. Not unlike some of the 90ies screamo bands mixed with typical Hamburg Indierock, these guys convince with their intelligent, laid back and yet in their way offensive version of emotional punkpopindierock with a crunch. Worth a look. The 2nd disc is done by We Fade to Grey starts with a long electronic tune that slowly develops into a tiny, fragile track. A laid back rhythm, shy singing and guitars leave you wondering what will happen next. That question is answered after one and a half minutes, when slowly some, sorry, screamo atmosphere (but that one coming from DC!) is created and kept throughout that track. While the first track is indeed a quite tough entry, “lines between teeth” is more easy, with a more typical songstructure and an awesome instrumental part rocking out loud around 2:30h, before erupting in a nice, hymnic final. “lips seal agreements” is more eclectic again, with slight disharmonies, complex and with strange electronics, but still very interesting and adding colour. Reminded me of the awesome “the Spirit that guides us” more than once, not only because of a similar guitar work. “trains to alaska” is instrumental and a bit strange in the beginning, but develops good drive later. All tracks balance very well between fragility and offense, which once was the essence of a (sub-)genre, well portrayed on here again. The vocals throughout these 6 tracks are quite varied, but sometimes a bit too “typical” with that spoke word style. Still okay, but could have lend more expression to the music sometimes (“architects build thoughts”).

roteraupe.de: Ausgesprochen schön gestaltet kommt diese Doppel-CD der beiden Bands Fluten und We Fade To Grey daher. Und gut klingen tut sie auch: Fluten lassen es auf ihrer CD erstmal elektronisch piepsen, ein hektisches Schlagzeug setzt ein, dann gleich noch Emo-Gitarrenriffs und Sprechgesang übers Verlorensein im öffentlichen Nahverkehr und überhaupt in der ganzen Gesellschaft, dann kommt endlich gesunder Hardcore-Schreigesang. Klingt ziemlich gut. Jedes der fünf Lieder auf Flutens Hälfte der Doppel-CD ist trotz Hardcore-Härte sehr eingänglich, Melodien und Rhythmus sind durchgehend ansprechend komplex, aber nicht zu technisch-verfrickelt-anspruchsvoll, also genauso wie es sein soll. Zwischen kurzen Lyrik-Einlagen (sehr schön in “Teilchenbeschleuniger”!) und Rumschreien ist alles mit dabei, Dynamik, Spannungsbögen, Poesie. Kurzum: eine sehr spannende und interessante erste Hälfte. We Fade to Grey machen auf ihrer CD dann schönen, jugendlich und frisch wirkenden Emo-Post-Punk mit einer ordentlichen Hardcore-Schlagseite. Die Musik ist prima: straightes Schlagzeugspiel, Gitarre und Bass machen dass, was Gitarre und Bass so machen sollen, zwischendurch immer mal wieder Keyboard zur Melodieunterstützung und so. Der Sänger ist talentiert und macht einen guten Job, nur manchmal würde man sich vielleicht etwas mehr Einsatz und Druck wünschen. Die Texte sind... ganz nett. “Relationships crashed into each other. And sank with all their treasures. And sank so now safe their wrecks.” Aha. Schlechtes Englisch, mittelmäßiges Wortspiel mit den Schiffen, aber dabei angenehm unschuldig nett. Und immer voller schön leicht durchschaubarer Symbolik. Im Allgemeinen gibt es viele derart hübsche Texte über Ängstlichkeit, das gute, alte Verlangen, ein Monument zu errichten und das scheusliche Gefühl, irgendwie verloren zu sein. Nicht spektakulär, aber völlig in Ordnung und angenehm “jugendlich”. Insgesamt eine gute, aber leider auch nicht sonderlich spektakuläre Hälfte, der hin und wieder ein bisschen mehr Härte ganz gut zu getan hätte... Und auch wenn die CD von Fluten ein Stück besser ist als die von We Fade To Grey, bleibt doch auch von beiden Cds, unabhängig voneinander wie auch als zusammengehörende Alben ein sehr positives Bild. Abgerundet von der wirklich vorbildlich schönen Verpackung eine sehr gelungene Doppel-CD!

sellfish.de: So etwas hat man wohl auch eher selten in der Hand: eine Doppel-Split-EP. Ein ungewöhnliches Format für zwei außergewöhnliche Bands, die beide im weitesten Sinne dem 90er-Posthardcore huldigen. Wir sind neu in der Washingtoner Schule, könnte auf ihren Schultüten stehen. Das war’s dann aber mit den Gemeinsamkeiten. Fluten kommen aus dem hohen Norden, We Fade To Grey aus dem Süden. Letztere singen durchgängig auf englisch, Fluten auch mal auf deutsch. We Fade To Grey klingen insgesamt etwas klassischer und deutlicher nach DC. Das liegt vor allem am Gesang und Gitarrenspiel von Constantin John. Da wird schön mit Tempo losgeschrammelt und dazu mächtig losgekeift, aber auch mal recht entspannter Gesang zugelassen. Musikalisch ist das ebenfalls schon sehr ausgereift und abwechslungsreich, wie das instrumentale „Trains To Alaska“ unterstreicht. Im Vergleich wirkt der Beitrag von Fluten fast noch ein wenig spannender. Hier wird der Posthardcore mit einer Spur Mathrock angereichert und die Songstrukturen scheinen noch undurchschaubarer, dennoch aber oft auch eingängiger. Wenn Christian Schütze „Ich habe einen Raum / Jeden Tag gehe ich raus und bin schon drin“ singt, könnte man meinen, Torben Leske von peters. hätte mal im Studio angerufen als das Band noch lief. Weil sich auch das Schlagzeug immer wieder angenehm aufdrängt, muss man kurz mal an Ter Haar denken. Letztendlich klingt alles aber sehr eigen, und die Texte kommen bei beiden Bands glücklicherweise ohne die üblichen Klischees aus. Eine Gemeinsamkeit haben Fluten und We Fade To Grey also doch noch: Sie sind beide richtig gut. Sebastian Gloser

trust-fanzine (Feb/Mar09): Dieses Release veranlasst mich, mal anders an ein Review heranzugehen, nämlich über den Promo-Zettel. Der ist wirklich intelligent und vorbildlich. Normalerweise hat man diese Wischs mit "Hallo XYZ, wir sind Musterband aus Musterstadt und machen Musterpunk ohne den herkömmlichen Musterpunk-Aspekt. Klaro, wir sind sowieso das Größte seit Erfindung der Vakuum Penis-Pumpe." Nope! Hier mal wirklich prima geschrieben, ohne den aufgesetzten Firlefanz. Respekt, fällt auf. O.K., zum Release. Warum man Doppel CDs mit einer jeweiligen Lauflänge um die 20 Minuten rausbringt ist etwas rätselhaft (hätte eine schöne Split-LP gegeben), aber wahrscheinlich wollte keine Band auf einer normalen Split-CD die zweite Band sein. Ist völlig o.k., denn beide schmecken gleich gut. FLUTEN schaffen einen klasse Spagat zwischen dem , was man nicht mehr Emo nennt, Hardcore und der post-"Bad Salzuflen-Schule". Letzteres bezieht sich auf die Texte, was ein Prädikat ist und somit Hamburg aushebelt. Prima strukturierter klarer Sound mit vielleicht etwas zu wehleidigem Gesang (Achtung: der wird ab 1. Juli 2009 verboten!) aber kräftigen Core Strukturen und jeder Menge Spaß an hier und da eingesprengselten Effekten. Da leidet sowieso eine Menge Musik dran. Ne, ordentlich zwischen aktuellem Dischord und deutschen Wehmut zusammengeklöppelt. WE FADE TO GREY (ho ho ho, zuviel Visage gehört? ... Quatsch) gehen die Sache etwas experimenteller an, was mir persönlich natürlich näher liegt. Vertrackt, frequer, dann wieder platzend mit Anleihen an Früh-80er Bands wie Desperate Bicycles um einen frischen Core Sound zu mixen. Hier etwas Wooden Wand für 2 Takte, dann doch wieder etwas Vanishing Voice. Jedoch alles stehts "core-ig". Brilliant gemacht, zwischen clever und unverschämt geklaut. Auf jeden Fall eigen und raffiniert. Tolles Release, auch wenn ich das filigrane Cover (bestes Lob) gleich kaputt gemacht habe (sniff). Weiter so! (joachim)

westzeit (Feb 09, 4/5): Das Berliner Label Miyagi-Records veröffentlicht mit Fluten/We Fade To Grey ein Split-Album. Die Frage, welche Idee das Label geritten hat, Tonträger von zweilerlei Bands in ein (extrem hübsch anzusehenes) Digipack zu verpacken, stellt sich nicht wirklich. Jeweils die ersten Takte auf den CDs verraten, dass hier zusammen kommt, was ohnehin zusammen gehört. Fluten aus Hamburg City und die Freiburger WFTG schlagen mit ihren Klängen in die selbe Kerbe – und das mit Schmackes. Irgenwo zwischen Postpunk und Hardcore zu verorten (Emo schreibt man heuer wohl nicht mehr) wissen v.a. Fluten dabei auch textlich zu gefallen. Zwei schöne Alben zum Preis von einem.

wltu-music.de (7/10): Wenn man zur Einstimmung auf diese Band ehemaliger TUPAMAROS-Mitglieder flugs standesgemäß deren Album "Modern Past" auflegt und den Schock, dass seit damals rund zehn Jahre vorbei sind, gekonnt ignoriert, dann wird man ähnlich politisch engagierte Texte hören, viele schräge Riffs vernehmen und sich schnell auch mit FLUTEN anfreunden können. Etwas verspielter als die der Vorgängercombo, more sophistocated, würde der Engländer sagen, klingen die fünf Tracks von FLUTEN, die gerne mal gesprochene Passagen in deutscher Sprache einfügen und auch vor französischen Fragmenten keine Angst haben. An KATE MOSH erinnern die vereinzelten Elektronikfragmente, die dem Indierock einen hippen Anstrich geben. WE FADE TO GREY lassen schnell aufhorchen, denn das Trio spielt nostalgische Dischord-Klänge, tritt dabei aber keineswegs alte Pfade aus, sondern agiert stets mit einer bedrohlichen Dringlichkeit und unterstreicht vehement, dass hier keine Floskeln gedroschen werden sondern stets mit offenen Karten gespielt wird. Die Melange aus Verspieltheit, Rhythmuszentriertheit und gelegentlicher Brachialität gefällt unmittelbar und so sind die sieben Songs von WE FADE TO GREY nochmal ein triftiger Grund sich diese Split zu besorgen. Alle Sänger, die mit dem Englischen etwas auf Kriegsfuß stehen, dürfen sich auch ruhig mal "Architects Built Thoughts-Authors Create Theories" anhören und bedächtig der vorbildlichen Lautung der Lingua Franca lauschen. Grandios ist ohne Frage auch das äußerst ansehnliche 3-Panel-Digipack mit Siebdruck, welches von Christina John gestaltet wurde. Einfach ein tolles Release, wenn man leicht verkopfte Songs mit Schwung und Tiefgang mag. (18:10)(21:42) Thomas Eberhardt

 

SPECTRUM LM - s/t

SKUG
Die Welt als ruhiger Fluss. Auf ihrer Debüt-CD gelingt Spectrum LM diese Umsetzung auf eindrucksvolle Weise. Das Kollektiv hat eine Basis in Lüneburg, bewegt sich aber irgendwo zwischen Hamburg, Berlin und Tokio. So weltläufig geben sich auch die Titel der sieben Stücke: Von »Kyoto« bis »Montmartre« und zu »Baltic Sea«. Instrumentalstücke, nicht mehr die pure Frickelelektronik, die wahrscheinlich vor fünf Jahren ein solches Projekt geprägt hätte, sondern am Song interessiert und den Computer – nach Kurzmann – als eigenständiges Instrument begreifend. So legt Track 4 (»Visage«) auch mit einer wilden E-Gitarre los – insgesamt ist die CD in sich trotzdem kompakt und besticht durch ihre abgeklärte Ruhe. >> skug.at

DE:BUG
Manchmal passiert das. Da findet man unter den Bergen von CDs, die man jeden Tag auspackt, ein kleines Juwel. Spectrum LM ist ein solches. Entrückt unschuldige Gitarrentracks, ganz unaufgeregt und natürlich eingespielt, voller großer und doch stiller Momente der intimsten Euphorie. Und wenn es mal laut wird, erzählt einem das Keyboard, dass doch alles ganz anders ist und die verzerrte Wand der bratzigen Aufmerksamkeit nicht das ist, um was es hier geht. Einfach ganz wunderbar. >> de:bug

SELLFISH
Drei Menschen mit ausufernden Bildern im Kopf. (...) Ein leises Minialbum zum Träumen. Für den hektischen Alltagsgebrauch gänzlich ungeeignet. Dafür ist es auch nicht gedacht. Das stellen Spectrum LM von der ersten Sekunde lang klar. >> sellfish

 

CULM - LIFE IN A STEEL CAGE IS NO LIFE AT ALL

INTRO
Ihr freut euch schon auf die neue Shellac? Auf den LP-Karton mit der CD drin und dem ganzen anderen Tinnef? Ich auch. Kann’s kaum erwarten, in den Laden zu hasten und das Ding vorsichtig, aber bestimmt in meine muskulösen, Schutz suggerierenden Arme zu schließen. Aber es dauert ja noch so lang. Dafür hab ich jetzt was gefunden für zwischendurch: die neue Culm-LP. Die spielen zwar nicht ganz das Shellac-Brett, dafür rattenscharfen Post-HC zwischen alten Robocop Kraus, Q And Not U und ähnlichen Ami-Helden. Engagiert eingespielt, durchdacht arrangiert, mit Herz und Haltung, dem genau richtigen, sich überschlagenden Shouting und brillanten Texten. Genau unser Geschmack also, genauso gut wie von Dischord, aber trotzdem aus Rheine! Bei Münster! Und nicht nur musikalisch schließen Culm fast aus dem Stand zu den Genrevorstehern auf, auch die Aufmachung ihrer LP gibt dem Käufer den Eindruck, endlich mal etwas wirklich Lohnenswertes zu kaufen und nicht immer den ganzen anderen Schrott oder Essen. Denn „Life In A Steel ...“ hat zwar keinen Karton, dafür aber die CD-Version gleich mit dabei. Und dazu einen toll abgerissenen Aufnäher, den ersten, den ich seit 15 Jahren besitze. Den bügele ich gleich auf den neuen Anzug für die Vorstellungsgespräche, höre dazu „Ready To Serve?“, springe herum und fühle mich ein letztes Mal ganz frei. Danke Culm, eure Musik bedeutet mir was. >> intro

VISIONS
Culm verbiegen die Fender-Gitarren, bis sie wieder rund werden. Das ist, was man als guten Postpunk-Wavecore bezeichnen mag. Er kommt von Herzen und geht ins Bein. Die norddeutsche DIY-Heimat Miyagi schießt mit Culm nach vorn: vier aus Rheine, die sich gern und eng an den alten, spröde-schönen, untergründig harten Knöselsound kuscheln, der von den Robocop Kraus perfektioniert wurde, bevor sie sich die Helme aufsetzten, an ihrer Rakete „Living With Other People“ die Luke dichtknallten und sich mit ihr auf eine neue Schaffensebene schossen. Culm machen den Robocop Kraus das Alte nach, aber sie machen es schön. Das klingt gemein, lässt sich aber ebenso wenig von der Hand weisen, wie es von der Qualität ihres zweiten Albums ablenken soll. Das ist nämlich toll geworden. Als wir sie zum Demo des Monats kürten, fielen die Worte „schräg“ und „fordernd“. Beides greift weiterhin – beim Gesang. Was der eine als nölig bezeichnet, als affektiert, sogar aufgesetzt, ist in Wirklichkeit ein Zeichen, dass Worte von Herzen kommen. Das letzte Bisschen richtige Aussprache wird zugunsten wichtiger Textzeilen hintangestellt. Die fetten Gitarren zugunsten guter, weil ungewöhnlicher und durchdringender Akkord-Konstrukte. Das macht Culm weiterhin sympathisch. Textlich dreht sich die Platte um Fehler. Um welche, die gemacht worden sind, und jetzt hat man den Salat. Zudem mag einen nicht jeder, und die, bei denen es besonders schön wäre, noch am allerwenigsten. Als Lösung werden maximal neue Fragen gestellt, und trotzdem fühlt man sich danach getröstet. Statt blindem Agitationsgestichel findet hier Einsicht statt und ein sanfter Anschub, der eigentlich von alleine kommt. Gerne singen wir dann Christophs Worte aus „Abyss“ mit. „I walk the line, I walk the deadline!“ – und das beim positivsten Song einer mürrischen und wunderbar ausmusizierten Platte. Als finaler Sympathieschlag erscheint „Life In A Steel Cage...“ ausschließlich als Vinyl-LP mit beiliegender CD. Bitte genau so weitermachen. (8/12) >> visions

OX FANZINE
(...) Die Gruppe mit dem Hang zum Besonderen hat sich wieder was ausgedacht: "Life In A Steel Cage ..." kommt als LP mit beigelegter CD. So kann der Musikfreund jederzeit wählen, in welchem Format er dieses ausgezeichnete Album genießen möchte. Das nenne ich Service. 14 sehr unterschiedliche Songs gibt es diesmal, gewohnt sperrig und kreativ schlagen sie eine Brücke zwischen dem alten Sound Washingtons und europäischen Independent-Pop-Lärm. Leicht verdaulich ist das bestimmt nicht, dafür aber nachhaltig. Culm fordern den Hörer heraus, wollen oft gehört werden, damit man sie versteht. Das Songwriting ist durchdacht bis in die letzte Note, dabei klingen Culm nur an wenigen Stellen verkopft. Sie lassen die Energie fließen, produzieren mit reduzierten Mitteln wunderbaren Krach. Dafür reicht die klassische Besetzung mit einer Gitarre aus. Was will man mehr? (9/10) >> ox fanzine

TRUST
Bestens. Alles vom Feinsten. Mir sind ja Leute generell symapthisch, die erst denken und dann machen. Hier sieht man, dass sowohl das Cover, als auch die mitverschickte CD (falls der Rezensent keinen Plattenspieler hat ... gibt´s das?) und die Musik nicht einfach so daherkommen, sondern schlicht und einfach durchdacht sind. Hatte die Band schon mal auf dem Label-Sampler "Miyagi In Spring" antesten dürfen, hier nun der Folge-Longplayer. Eine Schublade dafür gibt es nicht es sei denn, die wäre seeeehr groß. Fast alle Songs zerfließen in sich selbst. Ständig wartet das Unerwartete in der nächsten Kurve der Rille. Gehalten werden viele Songs von einem sehr angenehmen Zusammenspiel von Schlagzeug und Bass, welches plötzlich in einer Vielzahl verschiedener Melodie-Bögen und Riffs auseinandergerissen wird, um sich genauso plötzlich wieder in einem Sud ohrenschmeichlerischer Ambient-Sounds zu fangen. Dachte man eben noch "hups, war dass nicht eben Human Switchboard alike", muss man sich gleich korrigieren um festzustellen, dass zwar der Bogen, jedoch nicht der Kontext stimmt. In manchen mutigen Momenten klingt der Sänger nach Robbie Smith anno 1979, doch fällt es einem erst mal nicht ein und man versucht krampfhaft herauszubekommen, nach wem es wohl klingt. Spannende Platte, die ich zwischen extrem konzentriert unterm Kopfhörer und "man hat Besuch" gehört habe und sie gewinnt jedes mal. Leider werden solche Platten nie Hits, doch diejenigen, die die Chance haben Platten und Bands wie diese für sich einzuvernehmen, werden es oft hören. Gratulation. >> trust fanzine

PERSONA NON GRATA
Geschickt eingefädelter Postcore aus Rheine, geht mit großem Hitpotenzial direct in die Beine und Magen. (...) Schön vertrackt, mit Breaks, die passen wie die Faust aufs Auge, un Lyrics mit einem Hang zur Polemik, aber immer gerade heraus – ein Soundtrack für zukünftige Revolutionen! “Life in a steel cage…” ist nicht gefällig, tut manchmal weh und zeigt dir, wie sehr du eigentlich am Leben bist. Nichts für Weghörer! Über das Artwork der LP wird sich so manch Detailverliebter ein Loch in den Bauch freuen. >> persona non grata

WESTZEIT
Das Culm aus Rheine kommen und sich dem DIY-Ethos verpflichtet haben, dürfte auch über die norddeutschen Grenzen hinaus hinreichend bekannt sein. Ansonsten neigen Culm noch stärker zur Abstraktion als die frühen Robokop Kraus, was "Life In A Steel Cage Is No Life At All" zu einem musikalisch sehr reichen Album macht. sehr rhythmisch und voller knackiger Breaks. Ausgereiftes Songwriting, das seine Konzentration nicht auf direkte Gitarrenhits legt, sondern eher auf clever greifende Songstrukturen und inhärenten Spannungsaufbau Wert legt. Culm sind für mich die deutschen Fugazi. Höheres Haltbarkeitsdatum garantiert! >> westzeit

ÜBERSTEIGER
Auf dem noch recht jungen Hamburger Neu-Label veröffentlicht die bis dato eher nur Insidern bekannte Band aus Rheine ihr zweites Album. Und man kann nur hoffen, dass der Insider-Kreis jetzt mal ein wenig größer wird. Denn: Die Emocore-Protagonisten pfeffern ordentlich drauf los und lassen die Fünf niemals gerade sein, wenn es ums Hochhalten des DIY-Gedankens geht. Klass Gebretter… Das wunderbare Werk erscheint sympathischerweise ausschließlich als Vinyl-LP mit CD-Beilage! >> übersteiger

DRACHENMÄDCHEN
Die 4er-split-seven-inch mit dem Titelmiyagi in spirng war schon sehr liebevoll und mühevoll gestaltet und nicht nur musikalisch aufregend. Nun diese aktuelle, grosse Veröffentlichung von Culm seit 2004 haben mich anscheinend völlig kalt gelassen. Das Vinylrelease liefert Dir zeitgleich auch eine CD Beilage, die alle Tracks von diesem Album enthält. Ebenso gibt es auch auf finetunes einen Digitalvertrieb über das Internet. Das nette Textblatt und ein beiliegender Aufnäher runden das Sahnestück ab. Musikalisch passend zur Party mit q and not u, fugazi, a.m. thawn, the von pelt oder robocop kraus eingeladen. Armselige Erklärungsversuche sind hier durchaus unangebracht. Reinhören! Tipp dieser Ausgabe und bitte auch die erste Veröffentlichung des neuen, kleinen Labels bestaunen. >> drachenmädchen

FLIGHT13
Wow, wunderschöne Platte hier, allein die Aufmachung haut vom Hocker. Musikalisch gibt´s von der sympathischen Band aus Rheine fetzigen Post-Punk zwischen Q And Not U, Fugazi, Robocop Kraus und etwas Van Pelt, catchy, melodisch und gut. Vinyl kommt neben der chefigen Aufmachung mit dem Album als CD als Bonus. 14 Songs. Da hat uns das Hamburger Label wirklich ein Leckerli eingeschenkt, volle Punktzahl! >> flight13

GREEN HELL
Ein schon alleine von der Aufmachung und vom Format her ein völlig begeisterndes Release. Culm und ihr Label Myagi nehmen dem gestressten interessierten Käufer, der sich nicht zwischen schmuckem Vinyl und praktischem iPod-Format entscheiden kann, die Entscheidung ab, indem das Album als Vinyl mit Cd-Beilage kommt und das quasi ohne Aufpreis. Doch lohnt es sich auch "Life in a steel cage..." gleich doppelt zu besitzen? Klare Antwort: JA! Erfrischender Post-Punk der DIY-Band aus Rheine, der mal vertrackt, krachig und hektisch, aber jederzeit geradeaus und mit einem Zucken im Tanzbein nach vorne geht. In etwa wie alte The Robocop Kraus, Q And Not U und etwas The Van Pelt in den lässig ruhigen Passagen. Top! >> green hell

MUSIC SCAN
Culm leben für Musik. Das ist mehr als deutlich. Hier wird DIY noch gross geschrieben und jede freie Minute im Studio oder auf der Bühne verbracht. Soviel Energie gehört belohnt, sollte man meinen. Zuallererst belohnt sich die Band aus Rheine jedoch selbst - und zwar mit einem genialen zweiten Album. "Life In A Steel Cage..." ist eine von vorne bis hinten gelungene Scheibe geworden. Musikalische spielt die Band tanzbaren Post-Hardcore der trotz gelegentlich aufkommender Hektik immer wahnsinnig groovt und nicht nur aufgrund der bodenständigen Produktion energiegeladen, aktuell und einfach nur ehrlich klingt. Das ist 'ne tolle Sache, die sich wirklich jeder mal anhören sollte. Schließlich haben wir alle noch ein Plätzchen frei, irgendwo zwischen Tribute To Nothing und The Robocop Kraus. Und um das musikalisch-besondere auch mit der Verpackung zu unterstreichen, gibt's die Scheibe nur als Vinyl zu bekommen, allerdings mit beigelegter Cd, für alle die keinen Plattenspieler mehr besitzen. Das tolle Artwork erledigt den Rest. Mein Tipp: Kaufen! (9/10) >> music-scan.de

POISONFREE
This is emocore just like we grew up to, back in the 90ies when Dischord released one good record after another. Laid back, emotional rocking music, of course closer to Alternative than to hardcore, but still with that little something that makes the different – you could call it a punk feeling or whatever, but it is there. (...) Quite nice if you ask me. (...)  A really nice gesture and convenient for the listener, having the vinyl for homeuse and the CD for practical reasons. All in all worth a look if you like older Dischord stuff. >> poisonfree.com

MEHR
blueprint-fanzine.de
crazewire.de
fomp.de
wasteofmind.de
yellowisthenewpink.com

 

V/A - "MIYAGI IN SRING"

VISIONS
Die liebevollste Veröffentlichung des bisherigen Jahres ist die 7"-Vinyl-Single "Miyagi In Spring", eine auf 33 abzuspielende Four-Split. Vier Bands auf einer kleinen, aufklappbaren,ästhetisch gestalteten Scheibe und dann auch noch so verschiedene. Schräger, fordernder Post-Wave-Rock von Culm (Demo des Monats im Februar), herrlich zwischen Krach und Umgarnung schaukelnder Instrumentalnoiserock von Kenzari's Middle Kata, schöner, Stimmungen und Stiche zugleich setzender Postrock von Mercer und ein tolles, verhuschtes Akustikgitarrenlied von Tenlike. Mit ihren großen Verwandten können all diese Bands mithalten, aber von Gang Of Four, Mogwai, Codeine und Bright Eyes werden wir wohl kaum so feines, auf 515 Stück reduzierte Split-Vinyl erleben. >> visions

INTRO
Kauft euch diese Single, sie ist bestimmt nicht teuer, ermöglicht diesem Label, das übrigens in einer Hamburger Straße mit dem lustigen Namen “Ellenbogen” residiert, einen guten Start. Damit sie noch mehr Hoffnung und Enthusiasmus entwickeln und dann noch mehr dieser Kleinode zur Veröffentlichung bringen. >> intro

PERSONA NON GRATA
Initiationsrelease eines Labels, das man allein der wundervollen Ausgestaltung dieser Nummer eins immer sorgsam verfolgen sollte. (…) Extraordinär heißen wir auch alles Inhaltliche. Eine vierfach-Split, die vermutlich andeutet, welche bemerkenswerten Bands in der näheren Labelumgebung ihr Zuhause haben, bzw. was auf dem Label selbst demnächst passieren wird. (…) Großes Empfehlungsnicken hierzu. >> persona non grata

TRUST
Sehr apart. Für alle Bands ist es nicht der erste Auftritt auf einem Tonträger, doch die allesamt exklusiven Tracks auf dieser Compilation machen Spaß, auch den Rest hören zu wollen. Unbedingt empfehlenswert! >> trust

OX FANZINE
Alle vier Bans sind von internationalem Format, was Technik und Songwriting angeht. Mit dieser ersten Veröffentlichung werden sich Miyagi Records nicht nur das Interesse des Musikjournalismus sichern, sondern auch einen Spitzenplatz in der Liga der stilbildenden Indielabels in diesem Lande. Kaufen und hören! Die Begeisterung kommt von alleine. >> ox fanzine

ALLSCHOOLS NETWORK
Qualität setzt sich letztendlich durch, das hoffe ich zumindest. Wenn dem so ist, dann kann dem kleinen Miyagi Label in Hamburg eine rosige Zukunft prognostiziert werden. >> allschools network

DIE BLÜMCHENTAPETE
Die Scheibe hier hinterlässt bei mir einen ansprechenden Eindruck. Die songs sind sauber aufeinander abgestimmt und diese Mischung aus Postrock, Posthardcore und Indierock hat's in sich. abgerundet wird das ganze noch von dem sehr stylischen Cover, dass so wie auch der sound auf der Scheibe viel kreativität ausstrahlt. Mit "miyagi in spring" hat miyagi records einen ansprechenden Einstand gegeben und ich bin gespannt was als nächstes kommt! >> diebluemchentapete.de

SELLFISH
Das einzige Dilemma bei "Miyagi in Spring" besteht wohl darin, dass man sich nicht entscheiden kann, welche Seite man als nächstes hört. A oder B, laut oder leise? Wunderbar oder mindestens genauso wunderbar. Nach gefühlten drei Minuten ist die Seite schließlich rum. Und du legst sie noch einmal auf. So gut ist das… >> sellfish.de

NILLSON
Wer Interesse an tollen Bands, liebevoller Labelarbeit und authentischem Musikgenuß hat sollte ganz schnell versuchen eines der limitierten Exemplare abzugreifen. Ich kann es nur empfehlen. >> nillson.de

NEW CORE
Miyagi Records ist ein neues Label aus Hamburg, das mit diesem 7“-Sampler einen ausgezeichneten Start hinlegt. Zunächst fällt die sehr liebevolle Gestaltung der 7“ auf. Sieht wirklich sehr schick aus. (...) Äußerst sympathisches Debut von Miyagi Records (...) >> new-core.de

MEHR
alternativenation.de
asice.net
beatpunk.org
blueprint-fanzine.de
czechcore.cz
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